Die Herstellung der
»Herrnhuter Lobpreismappen«
zu DDR-Zeiten

Mechthild Friesen geb. Winter, März 2006

Unter Leitung von Georg und Ulla Hentsch, Leiter des christlichen Blindendienstes der DDR, führte unser charismatischer Hauskreis von 1979 bis 1989 viele Lobpreisrüstzeiten in Herrnhut durch. Das waren verlängerte Wochenenden mit Schwerpunkt auf Lobpreis und Anbetung, bei denen Gastsprecher aus dem In- und Ausland lehrten. Diese Wochenenden fanden drei- bis viermal jährlich mit etwa 80–100 Teilnehmern statt.

Die in ganz Deutschland in dieser Zeit entstandenen und mündlich weitergegebenen Lobpreislieder wurden von uns auf Wunsch der Rüstzeitteilnehmer vervielfältigt. Eine Druckgenehmigung zu bekommen, war in dieser Zeit nicht möglich. Viele Lieder mussten erst in Noten niedergeschrieben werden. Ein Christ in Dresden vervielfältigte die von ihm handgeschriebenen Vorlagen als Lichtpausen. So entstand die »Herrnhuter Lobpreismappen«. Da die Teilnehmer aus dem ganzen Gebiet der ehemaligen DDR kamen, wurden diese Mappen auch schnell im ganzen Land verbreitet. Ich bekam ständig Bestellungen für neue Mappen und Ergänzungsblätter. Zeitweise brachte ich größere Mengen an Versandtaschen zur Post in Herrnhut bzw. musste sie von anderen Postämtern aus versenden.

In den Augen der damaligen Regierung war dieses Vervielfältigen illegal, obwohl wir nur Spenden zur Deckung der Unkosten erhielten. Es dauerte so auch nicht lange, bis die Staatssicherheit uns zu überwachen begann. Sie sandten Vertreter zu den Lobpreisrüstzeiten, und auch zur charismatischen »Konferenz der geistlichen Gemeindeerneuerung« (GGE) nach Berlin war uns der zuständige Vertreter gefolgt. Dort auf der Konferenz wollte ich größere Mengen der Mappen verteilen – und Gott hat wirklich seine Hand darüber gehalten und uns bewahrt. Als am ersten Tag die Konferenzteilnehmer aufgefordert wurden, den Nachbarn herzlich zu begrüßen und zu segnen, verließ der Mitarbeiter der Staatssicherheit fluchtartig den Raum.