Eine kleine Einführung
in die Geschichte
und Berufung Herrnhuts

Böhmische Brüder suchten am Anfang des 18. Jahrhunderts einen Ort, in dem sie frei ihren Glauben leben konnten, und sandten dazu den Zimmermann Christian David nach Deutschland. Dieser trug sein Anliegen dem Reichsgrafen Zinzendorf vor, der erklärte: »Wenn jene Leute zu mir kommen wollen, so will ich ihnen Aufenthalt geben. Wollen sie Gott suchen, so ist es mir lieb.« So setzte im Frühjahr 1722 die Auswanderung der Mähren ein, die am 17. Juni 1722 zum Anbau von Herrnhut führte. Dazu gibt es verschiedene Zeugnisse, die alle von göttlicher Führung und hingegebenen Menschen berichten.

Als das erste Haus in Herrnhut gebaut werden sollte, schlug der Zimmermann Christian David seine Axt in einen Baum mit den Worten: »Hier hat der Vogel ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest, nämlich Deine Altäre, Herr Zebaoth« (Psalm 84,4). Ein anderes Mal sagte er: »Dieser Ort soll die Hut des Herrn genannt werden, und ihr, die ihr darinnen wohnt, sollt Tag und Nacht darüber wachen, dass das Werk der Gnaden, welches hier angefangen wurde, ungehindert fortgehe.« (nach Jesaja 62,6–7: »Auf deine Mauern, Jerusalem, habe ich Wächter bestellt ...«)

Der befreundete Magister Schäfer aus Görlitz sprach am 30. August 1722 über Herrnhut: »Gott wird auf diesen Hügeln ein Licht aufstecken, das ins ganze Land leuchten wird; davon bin ich lebendig im Glauben versichert.« Und als Zinzendorfs Verwalter, Herr Heitz, die Einweihungsrede zum ersten Haus des Ortes hielt, sprach er über Offenbarung 21,2–3 mit dem Gebet, dass Gott unter ihnen wohnen sollte.

Diese Auszüge aus der Gründungsgeschichte Herrnhuts zeigen, dass der Herr seine Hand auf diese Stadt gelegt hat. Wir glauben, dass Gott auch heute noch zu dieser Berufung des Ortes steht. Daraus entstand vieles, was für die damalige Zeit innovativ war: z.B. die Banden (eine Art Zellgemeinde), die morgendliche Losung als »Rhema-Wort«, das 24-Stunden-Gebet, die Mission, tägliche Anbetungsversammlungen und vieles mehr. Herrnhut und die Herrnhuter Brüder wurden zu einem Synonym für einen Ort, an dem Gott am Werk war. Die Einwohner Herrnhuts rechneten mit Gottes Reden und Eingreifen, gehorchten ihm und Gott wirkte Erstaunliches durch diese kleine Landgemeinde. Das ist auch heute möglich – nicht nur in Herrnhut –, wenn wir mit ähnlicher Hingabe und Vertrauen Gottes Berufung ergreifen.

Gott hatte aus der Kirche der alten Böhmischen Brüder und der pietistischen Bewegung eine neue Gemeinschaft hervorgebracht, die sich später »Erneuerte Brüder-Unität« nannte und als weltweite evangelische Freikirche heute noch in dieser Tradition steht. Nähere Informationen zur Herrnhuter Brüdergemeine gibt es unter bruedergemeine-herrnhut.de und archiv.ebu.de. Als Christliches Zentrum Herrnhut ist uns an einem brüderlichen Miteinander mit der heutigen Brüdergemeine gelegen. Wir schätzen sie und ihre geistlichen Wurzeln und glauben, dass aus ihrer Geschichte und dem, was Gott ihnen als geistliches Erbe anvertraut hat, allen Christen Segen und Kraft zufließen kann.

Literatur

zu diesem Thema ist in Herrnhut erhältlich bei: